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Sturzprävention: So senken Sie Ihr Sturzrisiko wirksam

Das Wichtigste in Kürze

Rund ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Gezieltes Training von Gleichgewicht, Kraft und Gangsicherheit senkt die Sturzrate nachweislich um rund 23 Prozent[1]. Am wirksamsten ist Training dort, wo Stürze passieren: in der eigenen Wohnung. Physiotherapie zu Hause kombiniert Übungen mit einer Prüfung der Wohnumgebung, mit ärztlicher Verordnung über die Grundversicherung abrechenbar.

Warum stürzen ältere Menschen?

Stürze im Alter haben selten eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen: nachlassende Muskelkraft in den Beinen, ein unsicheres Gleichgewicht, verminderte Sehkraft und ein langsamerer Gang. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Alltag zu stolpern oder das Gleichgewicht zu verlieren.

Hinzu kommen äussere und gesundheitliche Faktoren: Stolperfallen in der Wohnung wie lose Teppiche oder schlechte Beleuchtung, bestimmte Medikamente, die schwindelig machen, sowie Erkrankungen, die Kraft und Koordination beeinträchtigen. Nach einem Schlaganfall ist das Sturzrisiko besonders erhöht; wie Therapie hier hilft, lesen Sie im Beitrag zur Physiotherapie nach Schlaganfall. Die gute Nachricht: Viele dieser Faktoren lassen sich gezielt beeinflussen.

Was hilft nachweislich gegen Stürze?

Am besten belegt ist Training mit Schwerpunkt auf Gleichgewicht und funktionellen, alltagsnahen Übungen. Eine grosse Übersichtsarbeit über 108 randomisierte Studien zeigt, dass solches Training die Sturzrate um rund 23 Prozent senkt[1]. Die Evidenz dafür gilt als sicher.

Wirksam sind Programme, die das Gleichgewicht regelmässig fordern und mit Kraftübungen für die Beine kombinieren. Auch Tai-Chi und kombinierte Programme mit mehreren Trainingsbausteinen zeigen einen Nutzen. Entscheidend ist weniger die einzelne Übung als die Regelmässigkeit und eine Steigerung, die zu Ihrer Ausgangslage passt. Ein zu leichtes Training wirkt kaum, ein zu schweres birgt selbst ein Risiko, deshalb ist die individuelle Anpassung durch eine Fachperson zentral.

Warum Training zu Hause besonders wirkt

Training wirkt am besten dort, wo die Stürze tatsächlich passieren: in der eigenen Wohnung. Zu Hause üben wir an Ihren realen Alltagswegen, an Ihrer Treppe, im Bad, beim Aufstehen vom eigenen Sessel. So überträgt sich das Gelernte direkt in den Alltag.

Die Therapeutin sieht ausserdem die konkrete Wohnsituation und erkennt Stolperfallen, die in einer Praxis unsichtbar bleiben. Ein Wohnraum-Check gehört deshalb zur Sturzprävention zu Hause dazu. Angehörige können direkt einbezogen werden und lernen, wie sie sinnvoll unterstützen, ohne zu viel abzunehmen.

So läuft Sturzprävention mit physio.ch ab

Am Anfang steht ein Befund: Wir prüfen Kraft, Gleichgewicht, Gang und Ihre bisherige Sturzgeschichte. Daraus entsteht ein individuelles Übungsprogramm, das wir Schritt für Schritt steigern und regelmässig anpassen. Ergänzt wird es durch den Wohnraum-Check.

Die Behandlung rechnen wir mit ärztlicher Verordnung über die Grundversicherung ab; was Sie selbst tragen, lesen Sie im Beitrag zu Kosten und Krankenkasse. Fehlt Ihnen noch eine Verordnung, klären wir die nächsten Schritte mit Ihnen. Domizilbehandlung anfragen und wir melden uns am selben Werktag.

Übungsbeispiele für zwischendurch

Die folgenden Beispiele geben eine Vorstellung, wie einfaches Gleichgewichtstraining aussehen kann. Führen Sie sie nur mit einer stabilen Haltemöglichkeit aus und im Zweifel erst nach Rücksprache mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten.

Tandemstand am Küchentisch: Stellen Sie einen Fuss direkt vor den anderen, Ferse an Zehen, und halten Sie sich mit einer Hand an der Tischkante fest. Halten Sie die Position kurz, dann wechseln.

Aufstehen ohne Armlehne: Stehen Sie von einem festen Stuhl auf, ohne sich mit den Armen abzustützen, und setzen Sie sich langsam wieder. Ein zweiter Stuhl oder eine Person daneben gibt Sicherheit.

Fersen-Zehen-Gang: Gehen Sie einige Schritte, indem Sie die Ferse des einen Fusses direkt vor die Zehen des anderen setzen, entlang einer Wand oder Küchenzeile zum Festhalten.

Wann Sie nach einem Sturz ärztlich abklären sollten

Lassen Sie einen Sturz ärztlich abklären, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:

  • Anprall des Kopfes, besonders wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen.
  • Starke Schmerzen oder Verdacht auf einen Knochenbruch.
  • Kurze Bewusstlosigkeit im Zusammenhang mit dem Sturz.
  • Wiederholte Stürze ohne erkennbaren Grund.
  • Neu aufgetretener Schwindel.

Im Notfall wählen Sie 144. Diese Hinweise ersetzen keine ärztliche Beratung.

Häufige Fragen zur Sturzprävention

Welche Übungen verhindern Stürze am besten?

Am wirksamsten sind Übungen, die das Gleichgewicht fordern, kombiniert mit Krafttraining für die Beine. Programme mit diesem Schwerpunkt senken die Sturzrate nachweislich. Reine Kraft- oder reine Ausdauerübungen ohne Gleichgewichtsanteil wirken deutlich weniger. Entscheidend ist ein individuell angepasstes, regelmässiges Training.

Wie oft muss ich trainieren?

Als Orientierung gilt: regelmässig und über die Woche verteilt, also mehrmals pro Woche über einen längeren Zeitraum. Kurze, häufige Einheiten wirken besser als seltenes, langes Training. Die genaue Dosierung stimmen wir individuell auf Ihre Ausgangslage und Ihre Ziele ab.

Zahlt die Krankenkasse Sturzprävention?

Mit ärztlicher Verordnung übernimmt die obligatorische Grundversicherung die Physiotherapie, auch das sturzpräventive Training zu Hause. Voraussetzung ist eine medizinische Begründung, etwa nach Stürzen oder bei Gangunsicherheit. Sie tragen nur Franchise und Selbstbehalt wie bei jeder Behandlung.

Hilft Training auch nach dem ersten Sturz noch?

Ja, gerade dann. Nach einem Sturz ist das Risiko für weitere Stürze erhöht, gezieltes Training wirkt hier besonders sinnvoll. Wir bauen Kraft, Gleichgewicht und sichere Bewegungsabläufe wieder auf und nehmen Ihnen die oft entstehende Angst vor erneuten Stürzen.

Was bringt ein Wohnraum-Check?

Beim Wohnraum-Check prüft die Therapeutin Ihre Wohnung auf Stolperfallen: lose Teppiche, fehlende Haltegriffe, schlechte Beleuchtung, rutschige Böden. Viele Stürze passieren zu Hause. Kleine Anpassungen senken das Risiko spürbar, ergänzend zum Training. Der Check ist Teil der Domizilbehandlung.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Sherrington C. et al. Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 1, CD012424. 108 randomisierte Studien, 23'407 Teilnehmende; Training mit Fokus auf Gleichgewicht und funktionelle Übungen senkt die Sturzrate um rund 23 Prozent (hohe Evidenzsicherheit), Durchschnittsalter 76. DOI: 10.1002/14651858.CD012424.pub2
Natalia Goc
Fachlich geprüft von Natalia Goc, eidg. dipl. Physiotherapeutin, Co-Founder Physio.ch. ZSR-Nr. [PLATZHALTER-ZSR]
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