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Treppensteigen nach Knie-OP: die sichere Technik

Das Wichtigste in Kürze

Die Merkregel für Treppen nach einer Knie-Operation: aufwärts führt das nicht operierte Bein, abwärts das operierte Bein zusammen mit den Krücken. Geübt wird meist schon im Spital; sicher wird die Treppe aber erst durch Wiederholung, am besten an der eigenen Treppe zu Hause. Wie stark Sie das Knie belasten dürfen, gibt immer Ihr Operateur vor.

Warum die Treppe ein eigenes Thema ist

Beim Treppensteigen wirkt ein Mehrfaches des Körpergewichts auf das Kniegelenk, deutlich mehr als beim Gehen in der Ebene. Nach einer Operation, ob Prothese, Kreuzband oder Meniskus, fehlen dafür anfangs Kraft, Beweglichkeit und Vertrauen. Gleichzeitig führt für die meisten kein Weg an der Treppe vorbei: ins Schlafzimmer, zur Wohnungstür, zum Briefkasten. Deshalb gehört die Treppe von Beginn an in die Rehabilitation.

Die Schrittfolge: aufwärts und abwärts

Aufwärts: Zuerst steigt das nicht operierte Bein auf die Stufe, dann folgen das operierte Bein und die Krücken nach. Das gesunde Bein hebt das Körpergewicht, das operierte Knie muss nur nachziehen.

Abwärts: Zuerst gehen die Krücken und das operierte Bein auf die untere Stufe, dann folgt das nicht operierte Bein. So kontrolliert das kräftige Bein oben die Bewegung, während das operierte unten nur kurz stützt.

Eine Hand gehört ans Geländer, wo immer eines vorhanden ist; die zweite Krücke kann die Therapeutin dann anders organisieren, etwa beide Krücken in eine Hand. Am Anfang gilt der Nachstellschritt (auch Beistell-Schritt genannt): Beide Füsse treffen sich auf jeder Stufe, bevor die nächste kommt. Der flüssige Wechsel-Schritt kommt zurück, wenn Kraft und Sicherheit es zulassen.

Typische Etappen in der Reha

Die ersten Stufen üben viele Patientinnen und Patienten noch im Spital unter Anleitung der Physiotherapie, damit der Heimweg gelingt. Zu Hause folgt die Phase, in der die Treppe mit Krücken und Geländer bewusst und langsam gegangen wird. Mit wachsender Kraft im Oberschenkel werden zuerst die Krücken reduziert, später der Beistell-Schritt durch den normalen Wechsel-Schritt ersetzt.

Wie schnell diese Etappen aufeinander folgen, ist individuell sehr verschieden und hängt vom Eingriff, der erlaubten Belastung und Ihrem Verlauf ab. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen; massgeblich sind die Vorgaben Ihres Operateurs und Ihr eigener Fortschritt. Wie der Aufbau nach einer Knie- oder Hüftprothese insgesamt abläuft, lesen Sie im Beitrag zur Reha nach Hüft- oder Knie-OP.

Wann können Sie wieder normal Treppensteigen?

Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen festen Tag, an dem alle vom Nachstellschritt zum normalen, alternierenden Treppensteigen wechseln. Der Übergang hängt von Kraft im Oberschenkel, Schmerz, Schwellung, Bewegungskontrolle und der Art des Eingriffs ab — nach einer Knie-Totalprothese (Knie-TEP) gelten zudem oft klinik- oder operateurspezifische Nachbehandlungsschemata, die den Rahmen vorgeben.

In der Praxis läuft der Wechsel schrittweise: zuerst der Nachstellschritt mit Krücken und Geländer, dann der Nachstellschritt ohne Krücken, dann einzelne alternierende Stufen aufwärts (dort ist es leichter), zuletzt auch abwärts — der anspruchsvollste Teil, weil das operierte Knie das Körpergewicht gebremst ablassen muss. Viele Patientinnen und Patienten erreichen das alternierende Treppensteigen im Verlauf einiger Wochen bis Monate; der individuelle Verlauf kann deutlich davon abweichen, in beide Richtungen.

Gute Anzeichen, dass der nächste Schritt ansteht: Sie gehen in der Ebene hinkfrei, das Knie ist beim Einbeinstand stabil, und weder Schmerz noch Schwellung nehmen nach dem Üben deutlich zu. Die Einschätzung, wann es so weit ist, gehört zu Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten — und die Vorgaben Ihres Operateurs haben immer Vorrang. Erzwingen Sie den Wechsel-Schritt nicht: Ein sauberer Nachstellschritt ist besser als ein unsauberes, schmerzhaftes Alternieren.

Üben, wo die Treppe wirklich steht

Treppen unterscheiden sich: Stufenhöhe, Geländerseite, Wendelung, Licht. Sicher wird man auf der Treppe, die man täglich braucht. Bei einer Domizilbehandlung übt die Physiotherapeutin deshalb direkt an Ihrer Treppe zu Hause, mit der passenden Technik und so vielen Wiederholungen, wie es braucht. Ergänzend stärkt gezielter Muskelaufbau nach der Knie-OP genau die Muskulatur, die Treppen verlangen.

Wie lange die Krücken insgesamt begleiten, ist eine eigene Frage; die Antwort finden Sie im Beitrag Wie lange nach Knie-OP mit Krücken?

Wann Sie ärztlich abklären sollten

Pausieren Sie das Treppentraining und melden Sie sich bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Operateur bei:

  • stark zunehmenden Schmerzen im operierten Knie,
  • deutlicher neuer Schwellung, Rötung oder Überwärmung,
  • einem Gefühl von Instabilität oder Wegknicken,
  • Fieber oder Wundproblemen,
  • neuer, starker Schwellung in der Wade (Verdacht auf Thrombose).

Diese Hinweise ersetzen keine ärztliche Beratung; die Belastungsvorgaben Ihres Operateurs haben immer Vorrang.

Häufige Fragen zum Treppensteigen nach Knie-OP

Welches Bein zuerst beim Treppensteigen nach Knie-OP?

Als Merkregel gilt: aufwärts führt das nicht operierte Bein, abwärts das operierte Bein zusammen mit den Krücken. So übernimmt das gesunde Bein die Hauptarbeit und das operierte Knie wird geschont. Ihre Physiotherapeutin übt die Schrittfolge mit Ihnen, bis sie sicher sitzt.

Was ist der Nachstellschritt auf der Treppe?

Beim Nachstellschritt (Beistell-Schritt) steigt zuerst ein Bein auf die Stufe, das andere wird auf dieselbe Stufe nachgestellt — beide Füsse treffen sich also auf jeder Stufe. Diese Technik entlastet das operierte Knie und ist in der frühen Reha-Phase der Standard, bevor der normale Wechsel-Schritt zurückkommt.

Wann darf ich nach der Knie-OP wieder Treppen steigen?

Viele Patientinnen und Patienten üben die ersten Stufen bereits im Spital mit der Physiotherapie, denn ohne Treppe kommen die wenigsten nach Hause. Wie schnell es danach normaler wird, hängt von Eingriff, Belastungsvorgabe und Ihrem Verlauf ab. Massgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Operateurs.

Wie lange brauche ich das Geländer?

So lange, wie es Ihnen Sicherheit gibt. Das Geländer ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Sturzprävention. Mit zunehmender Kraft und Beweglichkeit wird der Wechsel-Schritt (jede Stufe ein Bein) wieder normal; den Zeitpunkt bespricht die Therapeutin mit Ihnen anhand Ihres Fortschritts.

Kann ich das Treppensteigen zu Hause üben?

Ja, und genau dort ist es am sinnvollsten: an Ihrer eigenen Treppe mit ihrer Stufenhöhe, ihrem Geländer und ihren Lichtverhältnissen. Bei einer Domizilbehandlung übt die Physiotherapeutin die Treppe direkt bei Ihnen zu Hause, bis Sie sich sicher fühlen.

Was, wenn das Knie beim Treppensteigen stark schmerzt oder anschwillt?

Leichtes Ziehen und Muskelkater-Gefühle sind in der Reha normal. Stark zunehmende Schmerzen, deutliche neue Schwellung oder ein Instabilitätsgefühl gehören dagegen ärztlich abgeklärt, bevor Sie weiter üben.

Natalia Goc, eidg. dipl. Physiotherapeutin
Fachlich geprüft von Natalia Goc, eidg. dipl. Physiotherapeutin, Co-Founder Physio.ch.
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